Der Copernicus-Dienst für Atmosphärenüberwachung erleichtert Heuschnupfen-Patienten das Leben

Dienstag, 2. Mai 2017 — Nach Birkenpollen sind nun auch Pollenflugvorhersagen für Oliven und Gräser in der Produktliste desCopernicus-Dienstes für Atmosphärenüberwachung (CAMS) aufgenommen. Dies ist der erste Schritt in einem Verfahren, bei dem die Daten von nachgelagerten Anwendungen genutzt werden, um Betroffenen auf ihre Pollenempfindlichkeit zugeschnittene Symptomvorhersagen bereitzustellen.

Wie sicher viele bereits bemerkt haben, hat die Heuschnupfensaison bereits begonnen. Etwa jeder Fünfte in Europa ist von einer Pollenempfindlichkeit betroffen. Die Symptome dieser weit verbreiteten Allergie reichen von Reizungen der Nasenschleimhaut bis hin zu Augenjucken. In schlimmen Fällen kann dies sogar zu Arbeitsunfähigkeit führen.

Die allergische Reaktion tritt dabei sehr schnell auf. Oftmals dauert es nur Minuten ab dem Auftreten des Reizes, bis die Symptome fühlbar werden. Dabei könnten Medikamente noch weitaus besser wirken, wenn sie zur Prävention einige Tage vor der Exposition eingenommen würden, anstatt sie erst bei Auftreten der Symptome zu deren Linderung einzusetzen.

Die Pollenflugsaison ist wetterabhängig und kann in Abhängigkeit von den Witterungsbedingungen früher oder später beginnen. Außerdem kann sie durch Regen oder Kältephasen unterbrochen werden. Es handelt sich dabei also um einen sehr dynamischen Vorgang, bei dem sich die Pollenmenge täglich oder sogar stündlich ändern kann.

Aus diesem Grund sind zuverlässige Vorhersagen so wichtig. Vor allem, da die Pollen nicht zwingend aus dem Land stammen, in dem die Menschen unter ihnen leiden. Auftretende Winde können die Allergene problemlos über beträchtliche Entfernungen und natürlich über Ländergrenzen hinweg tragen.

Pollen können je nach Windstärke 500 bis 1000 Kilometer und weiter fliegen, sodass sie selbst die Entfernung von Mitteldeutschland bis nach Südfinnland problemlos überwinden,

erklärt Mikhail Sofiev vom Finnischen Meteorologischen Institut, an dem er als leitender Wissenschaftler für die Entwicklung der CAMS-Pollenprodukte verantwortlich ist.

Es funktioniert ebenso gut in umgekehrter Richtung. So werden im späten Frühjahr Pollen von Finnland nach Mitteleuropa geweht, wenn die Pollensaison im übrigen Teil Europas bereits vorbei ist.

Die Pollendaten werden von Bodenstationen des Europäischen Aeroallergen Netzwerks (EAN) aufgezeichnet. Dieses privatwirtschaftlich betriebene Netzwerk fungiert als Kooperation von nationalen Netzwerken auf freiwilliger Basis, die alle von Universitäten, Krankenhäusern, meteorologischen Instituten oder Umweltbehörden betrieben werden. Die Daten für Birken- und Gräserpollen wurden den Erstellern der CAMS-Modelle zur Bewertung der Genauigkeit ihrer Vorhersagemodelle zur Verfügung gestellt.

Die Vorhersage der Konzentration der am stärksten allergenen Pollen ist ein entscheidender Faktor, und doch ist dies erst der erste Schritt: Menschen reagieren unterschiedlich auf verschiedene Pollenarten. Um sich zu profilieren, bemühen sich Unternehmen und Organisationen darum, maßgeschneiderte Vorhersagen für den Einzelnen anzubieten.

Die Medizinische Universität Wien führte einen Test durch, bei dem Freiwillige ihre täglichen Symptome über mehrere Jahre hinweg aufzeichneten. Diese wurden mit der Menge und Art der täglich in der Atmosphäre vorhandenen Pollen in Verbindung gebracht. So wies ein Team von Wissenschaftlern der Aristoteles Universität von Thessaloniki nach, dass die Symptome eines Einzelnen mittels einer Pollenvorhersage für ein drittes Jahr vorausgesagt werden können, wenn sie für die zwei vorherigen Jahre vorliegen.

Um diese Technologie stärker anwendungsbezogen auszurichten, beginnt in Lettland und Litauen ein nachgelagertes CAMS-Projekt. Diese neue Studie wird eineinhalb Jahre dauern. Dabei hofft man auf mehrere hundert Teilnehmer, die ihre Symptome in eine App eingeben, welche die Informationen an einen sicheren Server sendet, in dem sie verarbeitet und mit den CAMS Pollenvorhersagen abgestimmt werden. Dabei kann möglicherweise auch die Konzentration der wichtigsten Umweltschadstoffe berücksichtigt werden. Dadurch entsteht ein Profil für jeden Nutzer, mit dem schlussendlich individuelle Symptomvoraussagen für den Einzelnen getroffen werden können.

Wir hoffen, innerhalb von 18 Monaten über einen zuverlässigen Kreis von Nutzern zu verfügen, die die Vorteile dieses Systems erkennen,

so Sofiev.

Dr. Vincent-Henri Peuch, Leiter des ECMWF Copernicus-Dienstes für Atmosphärenüberwachung erklärt:

Es ist sehr aufregend zu sehen, dass die für die Messung der Luftqualität genutzten Modellierungsinstrumente nun ebenfalls bei der Vorhersage der Konzentration bestimmter Pollenarten in der Luft wirksam eingesetzt werden. Dank der Zusammenarbeit mit EAN und der Medizinbranche bietet CAMS nun die Möglichkeit, eine noch größere Herausforderung anzugehen: die Lieferung rechtzeitiger, genauer und individuell angepasster Voraussagen für Heuschnupfensymptome. Dadurch könnten sehr nützliche Informationen gewonnen und somit Millionen von Europäern Erleichterung verschafft werden.

Die Pollenvorhersage kann auf der CAMS-Internetseite abgefragt werden:
http://bit.ly/2oXSVnc
Wählen Sie das gewünschte Produkt (Birke, Pollen, Olive und Gräser) aus einer Auswahlliste von Kenngrößen.

 

Über Copernicus

Copernicus ist das Aushängeschild des Erdbeobachtungsprogramms der Europäischen Kommission, das frei zugängliche Betriebsdaten und Informations­dienste zur Verfügung stellt. Mittels verschiedener Dienstleistungen auf den Gebieten Umwelt und Klima, bietet es Nutzern zuverlässige und aktuelle Informationen.

Im Auftrag der Europäischen Kommission betreibt das Europäische Zentrum für mittelfristige Wettervorhersagen (ECMWF) zwei Copernicus-Dienste: das Copernicus-Programm für Atmosphärenüberwachung (CAMS) und den Copernicus-Dienst für Klimawandel (C3S). ECMWF ist eine unabhängige und von 34 Ländern unterstützte zwischenstaatliche Organisation mit Sitz in Reading im Vereinigten Königreich. Bildungs- und Umweltinstitutionen aus ganz Europa, einschließlich der nationalen Wetterdienste, tragen maßgeblich zum Erfolg von Copernicus bei.